Wieso du als Unternehmerin den Satz „Ich bin zu blond für Technik“ aus deinem Vokabular streichen musst

Das ist mein eigener Artikel zur Blogparade "Du bist zu blond für Technik!?", zu der ich aufgerufen habe.

Wie schon im Aufruf zur Blogparade angesprochen, finde ich einige Alltagssätze wirklich unheimlich dämlich. Einer davon ist eben dieser: „Ich bin zu blond für Technik.“
Ich finde einfach, dass man mit Hürden anders umgehen kann, als mir selbst zu sagen "Na, da bist du aber zu dämlich für..."

Solch' eine Haltung raubt uns eine Menge Energie anstatt uns welche zu geben. Sie lässt uns ohnmächtig werden, anstatt, dass wir begreifen was wir können.
Deshalb arbeite ich selbst immer wieder an mir, solche Sätze zu entlarven und sie zu "besiegen".

"Solch' eine Haltung raubt uns eine Menge Energie anstatt uns welche zu geben. Sie lässt uns ohnmächtig werden, anstatt, dass wir begreifen was wir können."

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Ein kleines Beispiel dazu aus meiner näheren Vergangenheit:

Nur weil ich nicht 10 Jahre Jus Studiert habe, bin ich trotzdem nicht „zu blond“ einen Gesetzesparagraphen zu verstehen. Nein, ich werde ihn nicht auf Anhieb verstehen. Und nein, vielleicht auch nicht beim ersten mal Lesen. Aber, wenn ich jemanden habe, der mir den Satz aufdröselt und erklärt, in einer Sprache, die ich verstehe, werde ich verstehen was damit gemeint ist.

Und je mehr dieser Sätze ich verstanden habe, desto leichter wird es mir fallen, den nächsten zu verstehen. Vielleicht verstehe ich dann den zehnten Satz schon alleine und brauche keine Hilfe mehr.

Ja, hier spreche ich direkt aus Erfahrung. Das letzte dreiviertel Jahr habe ich mich beispielsweise mit der DSGVO beschäftigt. Am Anfang war es die reinste Hölle - mittlerweile bin ich Datenschutzbeauftragte.
Die Angst etwas falsch zu machen, und der Druck, dass alles sofort passieren muss sind nicht gerade gute Voraussetzungen um mit einem Thema "warm zu werden".
Doch ich wollte verstehen um was es dabei geht, ich wollte „Durchblick“ bekommen.

Jetzt ein dreiviertel Jahr später verstehe ich immer noch nicht jedes Gesetzesurteil, aber ich habe dazugelernt und kann manches schon selbst aufdröseln.
Bei Anderem muss ich immer noch nachfragen oder googeln.

Womit ich gut leben kann

Was ich dir damit sagen will:
Stell‘ dich hin und sag‘ „Ich verstehe es noch nicht.“. Stell‘ dich hin und sag‘ „Ich will es nicht machen.“ Stell dich hin und sag‘ „Ich hab‘ es ausprobiert, aber es funktioniert immer noch nicht.“. Stell‘ dich hin und sag‘ „Ich bin frustriert, weil ich es zum fünften mal probiere und es funktioniert nicht.“ Stell dich hin und sage „Mach bitte du das für mich!“
Das alles sind Möglichkeiten, die ich gut finde!

Aber sag‘ dir nicht selbst „Ich bin zu blöd dazu.“ Denn nichts anderes bedeutet der Satz „Ich bin zu blond für Technik.“, wenn man ihn in Alltagssprache übersetzt.

Sag‘ dir nicht selbst „Ich bin zu blöd dazu.

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Du nimmst dir damit die Offenheit, dass du dazulernen kannst. Und das finde ich traurig. 
Aber du nimmst dir damit nicht nur deine Offenheit. Du schmälerst deine Erfolgserlebnisse und bezweifelst, dass du es je verstehen wirst.

Ja, manchmal braucht es einen etwas längeren Atem. Manchmal braucht es mehrere Menschen und mehrere Gespräche bis man etwas verstanden hat. Und manchmal braucht es auch Hilfe von außen.

5 Anläufe – und noch immer ist nicht alles klar

Hier nochmal ein kleines Beispiel aus meinem Alltag:
Nur weil ich keine Ahnung von Finanzen habe, heißt es nicht, dass ich kein Unternehmen führen kann. Nur, weil man mir ein Leben lang von außen gesagt hat „Du kannst mit Geld nicht umgehen.“ heißt das nicht, dass ich es nicht versuchen kann.

Ja, es wird schwierig. Ja, es wird eine Umstellung. Ja, es wird hin und wieder ein Fehler dabei sein. Ja, ich werde hin und wieder frustriert oder möglicherweise sogar verzweifelt sein. Aber ich kann dazu lernen, wenn ich es will. 
UND: Ich kann mir Berater*innen an die Seite holen, die mir die Richtung weisen.

Sehr offensichtlich wurde bei mir dieses „Durchhaltevormögen“ als ich die Umsatzsteuer verstehen wollte. Und dazu hat es mehr als 5 Anläufe gebraucht.

  1. Ich habe den Finanzamtsratgeber für Gründer*innen gelesen. Danach hatte ich 0 Plan.
  2. Ich habe Blogartikel dazu gelesen. Wahrscheinlich waren es einfach die falschen, aber noch immer ist kein Funken Verständnis bei mir aufgetaucht.
  3. Ich habe mir ein Buch dazu gekauft (Rechnungswesen). Ich dachte ich hätte es verstanden, bin dann aber nach einiger Zeit drauf gekommen, ich check es noch immer nicht.
  4. Ich habe eine Steuerberaterin danach gefragt. Das Bild wurde klarer, aber noch nicht so richtig.
  5. Ich habe es mir von meiner Accountability-Partner*in erklären lassen. Es kam ein Stück Verständnis mehr dazu.
  6. Ich habe bei der selben Steuerberaterin nochmal nachgefragt und gesagt, dass ich es noch immer nicht verstehe. Sie hat es mir auf andere Weise erklärt – jetzt hab‘ ich‘s theoretisch kapiert – glaube ich zumindest 😉.
  7. So und dann kommt die Umsetzung in die Praxis von diesem "Ich hab' es verstanden.". Das ist wieder ein ganz anderes Thema. Da muss ich jetzt noch kräftig üben und mir dieses System auch in der Praxis vertraut machen.

Ich hätte jetzt auch einfach hergehen können und sagen „Interessiert mich nicht, will ich nicht lernen, gebe ich weiter.“ Das kannst du mit der Technik deiner Webseite genau so machen.
Wenn du aber Interesse daran, hast es selbst zu tun, dann bitte mach‘ dich nicht klein dabei. Nimm dir nicht deine Erfolgserlebnisse von vornherein schon weg.

Sagst du nämlich „Ich bin zu blond dazu.“ dann ist jeder Meilenstein, den du erreichst nur eine Ausnahme. So nach dem Motto: „Ausnahmsweise hat das bei mir jetzt mal geklappt.“

Bist du allerdings offen dazuzulernen, sieht die Sache ganz anders aus. Es fügt sich zum einen automatisch ein „noch“ in deine Sätze ein – also „noch funktioniert das nicht“. Automatisch folgt der Gedanke: „Aber das wird schon.“
Und du brauchst auch nach dem ersten Mal nicht aufzugeben, sondern du kannst weitermachen. „Diese zwei Lösungen haben noch nicht funktioniert, aber vielleicht tut es die nächste.“

Interesse ist der Schlüssel und „Ich will“ bringt die Motivation

Du siehst also, nur weil ich mit Technik „gut kann“ und in diesem Bereich eine schnelle Auffassungsgabe habe, bedeutet das nicht, dass ich das auch in jedem anderen Bereich gut und schnell bin.
Die Schlüssel für mich sind entweder „Mich interessiert das, ich will es können!“ oder „Ich brauch das, weiß, dass es wichtig ist und will es können.“.

Die erste Variante mit „Interesse“ fällt mir leicht. Das ist dann immer ein Thema wo ich im Selbststudium viel erreichen kann. Klar ist es fein, wenn mir mal zwischendurch jemand hilft und mir Dinge zeigt. Aber in diesem Bereich schaffe ich es prinzipiell auch gut alleine. Diese Bereiche machen mir dann auch viel Spaß. Anfangs bin ich Feuer und Flamme dafür, bis ich alles gelernt habe was ich wollte. Dann flaut es ab und ich gehe weiter zum nächsten Thema (gut, dass die Technik als Feld so groß ist ).

Bei der zweiten Variante „Ich weiß es ist wichtig“ ist das Lernen für mich schon sehr viel schwieriger…
Ich hab‘ es im Hinterkopf, dass es wichtig ist, aber eeeeiiiiigentlich möchte ich doch grade nicht dran arbeiten. Und naja… interessieren…. neeee… nicht so richtig… es kann doch noch ein biiiiischen warten… oder nicht… doch schon… ein bisschen geht noch…

Du siehst  da wird es schwieriger für mich zu lernen. Nur weil es mein Kopf weiß, dass ich sollte, bedeutet nicht, dass ich es auch gerne mache.
Aber mein Kopf ist ausgezeichnet darin „Worst-Case-Szenarien“ zu bauen: "Was passiert im allerschlimmsten Fall?"

Und diese Energie kann ich nutzen. Ich kann sie nutzen um mich mit Themen zu beschäftigen, wo ich weiß, dass sie mir, wenn ich mich nicht damit beschäftige, langfristig auf den Kopf fallen werden. Im schlimmsten Falle führen solche Fehler dazu, dass meine Firma den Bach runter geht. Das will ich verhindern. Und daraus entsteht meine Motivation sich mit Themen auseinander zu setzen, die mir

  • Angst machen,
  • unangenehm sind
  • und mir meine negativen Glaubenssätze vor Augen führen.

Also streich den Satz "Ich bin zu blond für xy!" aus deinem Vokabular und nutze stattdessen deine (ohnehin vorhandene) Energie, um Lösungen zu finden.
Mach' dich nicht unnötig selbst klein, sondern sei lieb mit dir und nimm dich in den Arm!

Also streich den Satz "Ich bin zu blond für xy!" aus deinem Vokabular und nutze stattdessen deine (ohnehin vorhandene) Energie, um Lösungen zu finden.

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Vielleicht hast du ja Lust bei meiner Blogparade mitzumachen und von einem Technik-Erfolgserlebnis zu erzählen? Bis 31. März 2019 hast du noch die Chance dazu.

Ich wünsche dir viele Erfolgserlebnisse beim Bewältigen deiner Technikhürden!
Deine Sara

Sara
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Sara

Ich heiße Sara Menzel-Berger und lebe mit meinem Mann zusammen mitten in Graz. De​n Ausblick aus unserer Wohnung auf den Schlossberg und die wunderbaren Sonnenuntergänge vor meinem Bürofenster liebe ich.

Neben meiner Arbeit als Technikelfe studiere ich Philosophie, genieße lange Spaziergänge ​durch den Wald und höre so oft es nur geht meine Musical-Songs.
Sara
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  • Toller Artikel, betrifft aber nicht nur Unternehmerinnen, das andere Geschlecht und auch Arbeiter oder Privatpersonen kennen dies auch.

    Einiges kenne ich auch aus dem Alltag, besonders das Thema DSGVO ist hier zu erwähnen. Neben dem selbstaufdröseln der Sätze/Paragraphen hat mir auch das Zusammensetzen mit Kollegen geholfen manche Themen besser zu verstehen oder sich gegenseitig (bei Auslegungen) zu ergänzen.

    „Ich bin zu blond für diese Technik“ kommt mir auch sehr häufig bei WordPress vor, wo in Gruppen nur gefragt wird, anstatt selber mal kurz die Suchmaschine anzuschmeissen. Klar kann ich Personen verstehen, die sich nicht an PHP heranwagen, wobei ich persönlich die Meinung vertrete, dass wenn man eine Webseite hostet, dass man auch ein kleines Basiswissen haben sollte (HTML, CSS, JS, PHP, rechtliches, etc.), da man auch in diesem Bereich agiert.

    • Sara sagt:

      Ja, da geb‘ ich dir völlig recht, dass es nicht nur Unternehmerinnen betrifft 🙂

      Diese Blogparade ist genau da daraus entstanden, dass mir dieser Satz in WordPress-Facebook-Gruppen über den Weg gelaufen ist.
      Und ja, ich finde auch, dass man zumindest Grundkenntnisse haben sollte, wenn man eine Webseite hat. Wir sind da anscheinend sehr auf der selben Wellenlänge was unsere Ansichten betrifft 😉
      Aber ich versteh‘ auch die andere Seite gut, die sich nicht so leicht tut mit Technik und sie deshalb gerne auslagern will. Manche wollen einfach ihre Expertise nach außen bringen und nicht „mal schnell ein bisschen PHP lernen“.

      Lieben Gruß
      Sara

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